„Ein gutes neues Jahr!“ „Einen guten Rutsch!“ „Prost Neujahr!“ Zum Jahreswechsel hören wir viele gute Wünsche. Solche Neujahrswünsche sind nicht nur eine schöne Tradition. Sie zeigen die Freundlichkeit anderer, die mir begegnen. Mir gefällt es, in den ersten Tagen des Jahres Bekannte und Unbekannte ein gutes neues Jahr wünsche. Ein Neujahrsgruß zaubert oft ein Lächeln ins Gesicht.
Die Neujahrswünsche sind im Grunde Segensworte. Vielen ist das gar nicht mehr bewusst. Wenn wir anderen Gutes zum neuen Jahr wünschen, dann ist das ein Segen. Wenn wir kurz vor Silvester einen „guten Rutsch“ wünschen, so sprechen wir – oft ohne es zu wissen – einen hebräischen Segen für einen guten Anfang aus.
Wer andere Menschen auf diese Weise segnet, der wünscht ihnen ein gelingendes Leben. Lateinisch heißt segnen benedicere. Wörtlich übertragen meint das gut sprechen. Gut sprechen tut gut, wo so vieles schlecht geredet wird.
Auch beim Abschied, vor einer Reise oder vor einem Krankenhausaufenthalt wünschen wir anderen Gutes. So segnen viele im Alltag ihre Mitmenschen. Wir hoffen, dass unsere guten Worte durch Gottes Geist beflügelt werden. Denn es liegt nicht nur in unserer Hand, dass Leben gelingt. Wenn ich segne oder gesegnet werde, so vertraue ich darauf, dass Gott mich im Leben begleitet und mein Leben am Ende gut macht. Auch das gut macht, was nicht gut war.
Deshalb steckt in jedem Segen immer Hoffnung. Mein Leben ist vergänglich. Aber ich kann darauf vertrauen, dass Gott mich und mein Leben gut macht. Mein Lieblingssegenswort für das neue Jahr finde ich bei Paulus: Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. (Römer 12,12) Es ist ein Mutmachwort, den ich als Segen lese.
Friedrich Schmidt-Roscher, Pfarrer in Prot. Kirchengemeinde Haßloch